Mitt liv i Sverige - 8. Brief
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Liebe Freunde, kära vänner!

Nun ist es erst mal vorbei mit dem süßen Leben. Am Montag fange ich an zu arbeiten, bei einer staatlichen schwedischen Behörde.

Als wir gerade im Urlaub in Rosenheim den Inn entlang radelten, ereilte mich ein Anruf: ob ich nächste Woche zu einem Bewerbungsgespräch vorbeikommen könnte. Mein schwedisches Mobiltelefon hatte ich nur rein zufällig dabei, weil das Telefon meines Liebsten abgeschaltet war und er für die Kinder erreichbar sein wollte. Drum hatte er mein Handy in der Hosentasche. Mitten im Urlaub auf einmal Schwedisch zu sprechen, hat mich natürlich völlig überfordert, aber irgendwie habe ich es doch geschafft, einen Termin für das Vorstellungsgespräch zu vereinbaren. Diese Nachricht hat mich natürlich in Aufregung versetzt, die ich zurück in Schweden in intensive Vorbereitungsarbeit umgesetzt habe (nach dreieinhalb Wochen in Deutschland musste ich mir auch erst Mal mein Schwedisch wieder zurechtlegen).

Auf mehr oder weniger die gleiche Stellenbeschreibung hatte ich mich im Februar schon mal beworben und war ein bisschen beleidigt, dass ich noch nicht mal zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden war. Im Nachhinein musste ich aber selbstkritisch erkennen, dass ich einen 0815-Bewerbungsbrief geschrieben habe (ich war ein bisschen in Eile J), und nicht speziell auf diese Stelle Bezug genommen habe. Und solche Schreiben habe ich selbst früher ehrlicherweise auch eher aussortiert...

Na jedenfalls war ich dann vor 3 Wochen beim Interview, hatte das Gefühl, mich ganz gut geschlagen zu haben, aber trotzdem nicht den Eindruck, dass sie mich nehmen. Zum Schluss ist mir noch ein kleiner Lapsus passiert: ob ich noch Fragen hätte, habe ich mit nein beantwortet, ich hätte zwar natürlich noch jede Menge fachlicher Fragen, aber ich würde das hassen, wenn die Leute die im Vorstellungsgespräch stellen. Statt „fachlicher Fragen“ (fackliga frågor) habe ich jedoch versehentlich „gewerkschaftliche Fragen (fackfrågor) gesagt. Ich wurde dann an die Gewerkschaftsfrau verwiesen, und bis ich das Missverständnis begriffen und aufgeklärt hatte, war die Verwirrung groß (jedenfalls bei mir). Was mich auch noch irritiert hat war, dass ich gar nicht nach meinen Gehaltsvorstellungen gefragt wurde. Darauf hatte ich mich nun speziell vorbereitet, weil das für mich – aus dem öffentlichen Dienst in Deutschland kommend – ja ein völlig unbekanntes Terrain ist. Ich habe daraus jedenfalls geschlossen, dass ich wohl nicht ernstlich in Betracht gezogen werde. In der Stellenausschreibung wurden zwei Personen für zwei verschiedene Fachgebiete gesucht, der Chef des einen Fachgebietes war aber wegen Urlaubs nicht bei dem Bewerbungsgespräch dabei, nur eine Mitarbeiterin aus dem Fachgebiet.

In der Woche darauf – ich saß gerade mit meinem lieben Besuch aus Deutschland beim Frühstück – klingelt wieder mein Telefon. Dran ist der Chef des Fachgebiets, der zuvor im Urlaub war. Ob ich einen Moment Zeit hätte? Und ehe ich’s mich versah, hat er ein Telefon-Interview mit mir geführt. Er sei zwar immer noch im Urlaub (soviel zur schwedischen Distanz zum Job), aber er wolle doch gerne mal ein bisschen mehr über mich wissen. Und ob ich nächste Woche Zeit hätte, persönlich vorbei zu kommen. Letzteres hatte ich entweder vergessen oder verdrängt, so dass mich der erneute Anruf am darauf folgenden Montag kalt erwischt hat. Ob ich denn heute gleich vorbeikommen könne. Es folgte dann noch ein weniger formales Interview mit einigen Kollegen aus dem entsprechenden Fachgebiet, die einerseits mich angucken und mir andererseits ihre Arbeitsweise schildern sollten. Am Ende wurden sie dann hinauskomplimentiert, und ich wurde – nun doch noch – nach meinen Gehaltsvorstellungen gefragt. Obwohl ich von meinem deutschen Gehalt schon rund tausend Euro Abstriche gemacht habe, hat er bedenklich den Kopf gewiegt und gesagt, so viel könne ich wohl nicht bekommen. Am Ende wurde ich verabschiedet mit den Worten: er könne sich vorstellen, dass ich gut ins Team passe, und er würde sich jetzt schnell entscheiden wollen.

Meine anfängliche Euphorie verflog dann mit jedem Tag, an dem ich keinen Anruf erhielt, aber schließlich habe ich nach vier Tagen dann doch eine offiziell eine Zusage bekommen. 

Ich habe ja bei meinem Einstellungsinterview ein kleines Kämpfchen um ein altes Privileg geführt: nämlich mein Wunsch, nur 90 % zu arbeiten. Das wurde nicht gerade erfreut oder selbstverständlich aufgenommen – das Standardarbeitsmodell hier ist eben 100 %. Ich darf aber trotzdem, allerdings mit der Bemerkung, „wenn du mit 90 % so viel schaffst wie andere mit 100 %, von mir aus“. So was nennt man Phyrrus-Sieg! 

Zum Schluss noch eine kleine lustige Geschichte: Die (staatliche) Apotheke hier in Schweden hat seit einigen Monaten Sex-Tools in ihr Sortiment aufgenommen. Offenbar ein großer Renner. Mein liebster war heute in der Apotheke und wollte......Fuß-Creme kaufen. Auf der Packung stand: 92 % Verbesserung. Er war ein bisschen verwirrt, was das bedeutet, und fragte die Verkäuferin. Die beiden lasen dann zusammen das Kleingedruckte, in dem zu lesen stand: 92 % der Frauen erleben eine Verbesserung mit dieser Fuß-Creme. Darauf die Verkäuferin trocken und deutlich hörbar in der Apotheke: „das lautet ja wie die Beschreibung eines unserer Sex-Tools!“  

Für heute grüßt Euch herzlich

Johanna

 
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