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"Schon einmal vorweg: In Schweden sind die Schwangerschaftsbetreuung und die Zeit im Krankenhaus nach der Geburt völlig anders als in Deutschland. Anders bedeutet aber nicht unbedingt schlechter, sondern nur gewöhnungsbedürftig. Um allen hier ankommenden Schwangeren die Angst vor einer Schwangerschaft und Geburt in Schweden zu nehmen, möchte ich meine positive Erfahrung gerne teilen.
Ganz wichtig: Die Schwangeren-Betreuung wird hier nicht von einem Arzt, sondern von der Hebamme übernommen. Ich kam hier im fünften Monat der Schwangerschaft an - nach bereits sehr detaillierten gynäkologischen Untersuchungen in Deutschland. Irgendwie erwartete ich, dass das hier so weitergeht. Erste Überraschung: Der Gynäkologe verwies mich zwecks Untersuchung an eine Hebamme.
Eine Hebamme war schnell gefunden, der erste Besuch allerdings die nächtes große Überraschung! Nach einem kurzen, sehr netten Informationsgespräch, wurden die Herztöne des Babys per Holzhörstab abgehört und ich gewogen - das war's. Nach 4 Wochen hatte ich den nächsten Termin. Wieder nur Herztöne abhören (Holzhörstab), Größe des Babys mittels Metermaß ermitteln und eine Blutabnahme. Um es kurz zu machen: Dabei blieb es auch in den folgenden Wochen und Monaten bis zur Geburt: Herztöne abhören, messen und 3 x Blut abnehmen. Gewogen wurde ich erst wieder beim letzten Termin vor der Geburt, eine gynäkologische Untersuchung gab es nicht.
Ehrlich gesagt, war es für mich sehr befremdlich, da ich parallel zwei schwangere Freundinnen in Deutschland hatte, die ständig tiefgehend gynäkologisch untersucht wurden. Allerdings waren sie auch viel nervöser. Ich war eigentlich sehr relaxt, da ich immer dachte: Wenn etwas Ernsthaftes wäre, wird eine so erfahrene Hebamme es trotzdem merken. Denn dadurch, dass alle Schwangeren nur von der Hebamme betreut werden, haben sie natürlich einen ungeheuren Erfahrungsschatz. Ihre Ausbildung ist auch noch etwa doppelt so lang wie die einer deutschen Hebamme. Und je mehr Technik im Spiel ist, desto nervöser wird man, wenn nur ein Wert einmal kurzfristig abweicht.
Daher: Es war anfangs gewöhnungsbedürftig, so ganz ohne technisches Gerät, aber ich war auch sehr entspannt und habe die Schwangerschaft genossen!
Gut zu wissen: Es gibt in Schweden nur eine Ultraschalluntersuchung ca. in der zwanzigsten Schwangerschaftswoche. Wünscht man eine weitere Untersuchung, kann man diese jederzeit, auf eigene Kosten, machen lassen.
Sofern Risikofaktoren vorliegen oder eine Mehrlingsgeburt ansteht, werden natürlich ungleich umfangreichere Untersuchungen vorgenommen.
Die nächste Überraschung traf meinem Mann und mich dann bei dem Vorgespräch zur (medizinisch notwendigen) Kaiserschnitt-Geburt. Denn es wird erwartet, dass man eine Begleitperson mit ins Krankenhaus bringt! Es gibt hier „Familienzimmer", in denen man dann gemeinsam mit seinem Mann/Begleitung und Baby nach der Geburt schläft. Denn man braucht jemanden, der das Essen ins Zimmer bringt, das Baby betreut (insb. nach einem Kaiserschnitt) etc. Hier in Stockholm gibt es dafür keine Krankenschwestern! Eine Geburt wird als natürlicher Vorgang angesehen, nach der man entweder gleich nach Hause geht und falls dies nicht möglich ist, sich im Krankenhaus selbst um sich und das Baby kümmert. Schwedische Männer haben dafür 10 Tage Sonderurlaub, um ihren Frauen/ Partnerinnen in dieser Phase unter die Arme zu greifen. Mein Mann bekam ihn ohne lokalen schwedischen Arbeitsvertrag natürlich nicht, sodass wir erst einmal kurzfristig umdisponieren mussten. Die Schwiegereltern wurden zur Betreuung unseres Sohnes eingeflogen, Kollegen mussten vorübergehend die Aufgaben übernehmen und mein Mann kam mit ins Krankenhaus, um unser Baby und mich zu versorgen. Alle Mahlzeiten werden bereitet, allerdings muss man sie sich selbst aufs Zimmer holen. Für das Baby ist auch alles vorbereitet. Wenn man dann allerdings weitere Windeln, Tücher etc. braucht, muss man sich diese dann eben selbst holen.
Auch hier sei wieder gesagt: So befremdlich das anfangs für uns war, so sehr haben wir es anschließend genossen. Es war eine wunderschöne, sehr intensive Zeit, die mein Mann und ich gemeinsam mit unserem Baby erlebt haben. Wenn auch kurz: Denn trotz Kaiserschnitt wurde ich nach drei Tagen nach Hause entlassen. Auch hier gilt in Schweden: Ein Kaiserschnitt ist keine Krankheit ...
Zum Abschluss sei noch gesagt, dass es nach 8 Wochen nochmals eine „Untersuchung" bei der Hebamme gibt. In meinem Falle fand sie wieder am Schreibtisch statt. Ein kurzes, sehr nettes Gespräch darüber, wie es mir geht - das war's!" |