MVC

 

Die Schwangerschaftsvorsorge (Mördrarvård) wird in Schweden komplett von Hebammen (Barnmorska) übernommen. Es besteht auch hier die Möglichkeit, entweder zu einer öffentlichen oder privaten Mödrervårdcentral (MVC) zu gehen oder sich eine selbstständig praktizierende Hebamme als MVC zu suchen.

Stellt man eine Schwangerschaft fest, ruft man bei einer MVC seiner Wahl an und bekommt im Normalfall erst um die 12. Schwangerschaftswoche, in Stockholm oft noch später, einen ersten Termin. Anders als in Deutschland ist es nicht üblich, dass ein Arzt die Schwangerschaft feststellt, man erledigt das selbst per Apothekentest.

Die Barnmorska nimmt alle nötigen Daten und Informationen über die Frau auf und legt für sie einen Mödrarhölsovårdsjournal an, das wie das Patientjournal beim Arzt, elektronisch geführt wird. Ausserdem bekommt man beim ersten Vorstellungstermin (Inskrivningssamtal) einen sogenannten Moderintyg (Nachweis über die Mutterschaft), den man bei Försäkringskassan einreicht, um die Anmeldeformulare für Elterngeld usw. zu erhalten. Ein dem deutschen Mutterpass ähnliches Dokument erhält man nicht (man kann sich aber auf Anfrage entsprechende Bescheinigungen über die Schwangerschaft für z.B. Flugreisen ausstellen lassen). Gynäkologische Untersuchungen finden bei normalem Schwangerschaftsverlauf bis zum Ende der Schwangerschaft nicht statt!. Ausnahmen bestehen bei Schwangeren über 35, diese erhalten in der Regel eine (freiwillige) gynäkologische Untersuchung.

Die Hebamme bestimmt - wie in Deutschland auch üblich - bei jedem Besuch den Eisenwert im Blut (Hb, g/l), den Blutzucker (P-glukos) und misst Blutdruck.

Um die 20. Schwangerschaftswoche ist der regelmässig einzige Ultraschall (Ultraljudsundersökning) währende der Schwangerschaft vorgesehen. Dieser wird in der Regel auch von einer speziell ausgebildeten Hebamme vorgenommen. Bei der Untersuchung stehen vor allem die organische Entwicklung des Kindes, dessen Größe und damit der errechnete Geburtstermin im Vordergrund. Ist die werdende Mutter älter als 35 hat sie ausserdem Anspruch auf eine sogenannte kombinierte Ultraschall-Blut-Untersuchung (Kombinerad ultraljud och blodprov, KUB) zwischen der 11. und 14. Schwangerschaftswoche. zur Untersuchung des Fötus auf Erberkrankungen wie Trisomie 21.

Geschlechtsbestimmungen des Kindes vor der Geburt sind in Schweden sehr unüblich und werden in der Regel auch nicht getroffen! Trifft man jedoch auf eine „kooperative" Hebamme, die die Ultraljudsundersökning durchführt, kann man unter Umständen kryptische Aussagen über das Geschlecht des Kindes erhalten (eine Ultraschall-Hebamme im Krankenhaus Södertälje sagte z.B.: „Ich habe da etwas gesehen, was Mädchen nicht zu haben pflegen...").

Ab ca. der 22. Schwangerschaftswoche hört die Barnmorska die Herztöne des Kindes ab - oft mit Hilfe eines hölzernen Hörstabes! Das Wachstums des Kindes wird durch ein Meterband, das am Schambein der Mutter angelegt wird, überwacht!

 

Versicherungsschutz

Sämtliche Routineuntersuchungen während der Schwangerschaft sowie die Kosten für die Geburt des Kindes im Krankenhaus werden von der Försäkringskassan komplett übernommen. Für den Besuch bei der MVC fallen daher auch keine Patientengebühren an.

 

Die größten Unterschiede zwischen Deutschland und Schweden bei der Schwangerschaftsvorsorge

Die Schwangerschaftsvorsorge beschränkt sich auf das medizinisch absolut Notwendigste. Gynäkologische Untersuchungen gibt es bei einer Schwangerschaft im Normalfall nicht.

Wer, wie in Deutschland weit verbreitet, Hightech-Apparate und regelmäßige Ultraschall-Bilder- oder gar 3D-Filme seines Babys im Bauch erhofft, wird in Schweden enttäuscht sein. Hier wird die Schwangerschaft und die Zeit vor der Geburt des Kindes ziemlich pragmatisch gesehen. Man vertraut auf die natürliche Entwicklung des Kindes und auf die Gesundheit der Mutter. Sollten Unregelmäßigkeiten in der Schwangerschaft festgestellt werden oder hat die Hebamme Grund zur Annahme, dass es dem Kind oder der Mutter nicht gut geht, wird jedoch ein Gynäkologe bzw. Facharzt hinzugezogen. Ansonsten ist und bleibt die Hebamme die alleinige Bezugsperson für die Schwangere.

Ein Ultraschall-Foto seines ungeborenen Kindes erhält man in der Regel nur einmal, bei der Regeluntersuchung um die 20. Schwangerschaftswoche. Die einzelnen Bilder müssen dabei selbst bezahlt werden.

Sprechen sich die Mediziner in Deutschland auch gegen Alkohol und Nikotingenuss während der Schwangerschaft aus, sind sie dabei doch meist etwas „nachsichtiger" als ihre schwedischen Kollegen. In Schweden werden Alkohol und Nikotin während der Schwangerschaft als absolutes Teufelszeug angesehen und sind damit total tabu.

Schwangere Frauen genießen in der schwedischen Gesellschaft keine herausgehobene Stellung. Sie sind natürlich arbeitsrechtlich und durch Mutterschutzgesetze besonders geschützt, im Alltag erfahren Schwangere jedoch keine besondere Aufmerksamkeit. Schwangere in Schweden arbeiten in der Regel bis kurz vor dem errechneten Geburtstermin. Mutterschutz vor der Geburt gibt es nicht, es sei denn, die Schwangere wird krankgeschrieben.

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 15. September 2012 um 13:24 Uhr
 


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