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Skandinavien übt auf viele deutsche Urlauber eine große Faszination aus. Außerhalb der erholsamen Natur und den pittoresken Idyllen kommen nur wenige mit dem skandinavischen Alltag in Berührung. Wer berufliche Kontakte mit dem Norden unterhält oder in einem dieser Länder lebt, wird schnell feststellen, dass die kulturell bedingten Unterschiede zwischen Dänen, Schweden, Norwegern und Deutschen doch sehr groß sind. Es gibt viele Ursachen für Missverständnisse. Kultur ist in Schweden vielfältig und beim Zusammenarbeiten oder -Leben mit den Schweden sollte man neben verhandlungstechnischen Besonderheiten auch sprachliche, geografische, politische und kulturelle Hintergründe kennen, um bestimmte schwedische Werte und Verhaltensweisen besser zu verstehen.
Mit der Gründung des „Folkhem" (Wohlfahrtsstaat) durch die Sozial Demokraten 1934, wonach ein allmächtiger Staat den Bürgern möglichst alle Lebensrisiken abnimmt, wurde das noch heute geltende Schwedische Modell mit gleicher Absicherung für alle Menschen (z.B. Rentensystem, Arbeitslosengeld, Krankenversicherung, Kinderbetreuung) eingeführt. Das Handeln der Schweden ist noch heute geprägt durch „Jantelagen". In einer Novelle (um 1920) hat der dänisch-norwegische Autor Aksel Sandemose mit dem Jante-Gesetz festgelegt, das kein einzelner Mensch auch nur glauben solle, das er aus irgendeinem Grund besser, weiser, gebildeter oder sonstwie herausragend ist. Alle Menschen sollen sich zur Gleichheit bekennen und sich verpflichten ihre eigenen Interessen zugunsten der Gemeinschaft zurückzuhalten, d.h. Wettbewerb und persönliches Erfolgsstreben sind untadelige Tugenden. Mit dem Gleichheitsgedanken geht auch einher, dass niemand besondere Privilegien erhält. Diese Grundhaltung hat sich etabliert im gesellschaftlichen und institutionellen Rahmen sowie im persönlichen Umgang. Gleichheit spiegelt sich auch im Zusammenleben der Geschlechter wider. Da über 80 % der Frauen arbeiten gehen, ist die Aufteilung z.B. zur Kinderbetreuung relativ gleich. Väter mit Kinderwägen, beim Einkaufen oder Nachmittäglichen Aktivitäten sind selbstverständlich. Ehepartner werden steuerlich einzeln veranlagt, sodass eine faire Unabhängigkeit bewahrt wird.
Im Alltags- wie im Berufsleben ist Pünktlichkeit ein Muss, die Zeit eines jeden verdient gleichermaßen Respekt und somit hält man sich präzise an die Zeitvereinbarung und kommt weder zu spät noch zu früh. Schweden gelten als Gerechtigkeitsliebend und sind fair und ehrlich im Umgang miteinander. Die Liebe zur Natur und zum einfachen ländlichen Leben prägt die Schweden auch heute noch. Viele Familien verbringen den Sommer in Sommerhäusern die schon über Generationen im Besitz der Familien sind. Aktivitäten im Freien wie Pilze und Beeren sammeln, Fischen und Jagen aber auch Wandern, Segeln sowie Skifahren und Langlauf gehört zum Freizeitvergnügen vieler Schweden. Das „Allemänsrätt" (Jedermannsrecht) unterstützt die Möglichkeit, dass jeder das Land und Wasser gleich nutzen und genießen darf. Schweden sind stolz auf ihr Land und zeigen dies mit dem Hissen der Flagge zu jeglichen Anlässen, egal ob Familienfeier, Mittsommer oder sonstigen Feiertagen. Die Fahne symbolisiert die schwedische Freiheit. Der Arbeitsalltag der Schweden ist straff durchorganisiert, die Arbeitszeit wird effizient genutzt, allerdings gibt es eine klare Trennung zwischen Berufsleben und Privatleben. Das Familienleben nimmt eine große Rolle ein und außerdem passt ein „Workaholic" nicht mit dem Gedanken des Jantelagen zusammen.
In der Sprache und im Auftreten wirken Schweden eher direkt, was allerdings niemals verletzen soll, denn Konfrontationen werden gemieden. Der Kommunikations- und Verhandlungsstil ist meist zurückhaltend und ruhig. Eine stillere und introvertierte Kommunikationskultur wird bevorzugt. Das geschäftliche Denken der Schweden ist mehr auf den Gesamtgewinn der Gruppe ausgerichtet als auf den Gewinn des Einzelnen. Diese kollektivistische Einstellung schlägt sich auch auf den Managementstil der Unternehmen nieder: flache Hierarchien, wenig Titel- und Statusdenken, Anrede mit dem Vornamen, Entscheidungen werden im Konsens getroffen und Frauen in Managementfunktionen sind sehr häufig anzutreffen.
Weitere Empfehlungen Die Kultur eines Landes ist sehr viel komplexer als in einem Artikel vermittelt werden kann und bedarf oft vielfältigerer Vertiefung je nach individuellen Bedürfnissen. Interkulturelle Trainings oder Workshops dienen der Entwicklung interkultureller Kompetenz und diese Kompetenz kann im internationalen Geschäftsalltag, aber auch in der Familie, die ins Ausland versendet wurde, von hoher Relevanz für eine erfolgreiche und glückliche Zeit sein. Landesspezifische Seminare bieten eine gute Grundlage die Arbeitsstile und Situationen des Alltags besser zu verstehen. Interkulturelles Coaching trägt zur Verbesserung oder Wiederherstellung der beruflichen Leistungsfähigkeit und der privaten Zufriedenheit und Motivation bei. In Stockholm werden dazu Veranstaltungen von verschiedenen Firmen angeboten. Die deutschschwedische Handelskammer, http://www.handelskammer.se/ eignet sich als Ansprechpartner. Neld International Consulting, http://www.neld.se/, bietet Coaching für Führungskräfte sowie spezielle Veranstaltungen für begleitende Partner an. CHD Kerstin Kraass, http://www.chd-kk.com/, arbeitet als Consultant für interkulturelle Themen und bietet interkulturelles Training und Coaching an. |