Kindergarten

Der Kindergarten (förskola oder dagis) beginnt für die Kinder in Schweden häufig ab dem ersten Lebensjahr und geht bis zum fünften Lebensjahr! Da in Schweden in der Regel beide Elternteile berufstätig sind, gehen so gut wie alle Kinder mit spätestens anderthalb Jahren in den Kindergarten. Entsprechend sind diese auf die Betreuung von Kleinkindern eingestellt und bieten sehr großzügige Öffnungszeiten.

Das skolverket bietet
ausführliche Informationen zu diesem Thema.

Nutzung
Um die Betreuung im Kindergarten in Anspruch nehmen zu dürfen, müssen beide Eltern nachweisen, dass sie berufstätig, arbeitssuchend, in einer Ausbildung oder einem Studium oder mit einem weiteren Kind in Elternzeit zu Hause sind. Nach unserer Erfahrung werden diese Nachweise allerdings nicht allzu streng eingefordert. Im Falle einer Elternzeit gestehen manche Kommunen nur einen reduzierten Stundenplatz zu. Wer frisch aus Deutschland nach Schweden gezogen ist und gerne möchte, dass sein Kind möglichst jeden Tag in den Kindergarten gehen kann, um sich zu integrieren und möglichst schnell Schwedisch zu lernen, obwohl einer der Eltern zu Hause ist, sollte in jedem Fall mit dem Kindergarten direkt verhandel. Oft läßt sich hier eine Lösung im Interesse des Kindes finden.

"Service"
Die Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen können leicht variieren, doch in den meisten Fällen liegt die Kernzeit zwischen 7.00 bis meist 17.00 oder sogar 18.00 Uhr. Kommunale Kindergärten sind zudem verpflichtet, ihre Öffnungszeiten den Arbeitszeiten der Eltern anzupassen. In dieser Zeit werden die Kinder voll verpflegt: Obst oder kleines Frühstück am Vormittag, Lunch und eine weitere Zwischenmahlzeit ("mellanmål") am frühen Nachmittag.

Kosten
Die Selbstbeteiligung an den Kinderbetreuungskosten berechnen sich nach der sogenannten maxtaxa. Die Grundlage für die Berechnung ist hierbei die Summe der Bruttoeinnahmen der Eltern. Für Familien mit mehr als einem Kind gilt ein Staffelsatz. Die Kosten belaufen sich derzeit auf
maximal 1260 Kr im Monat für das erste , 840 Kr für das zweite und 420 Kr für das dritte Kind. Für ein viertes oder weitere Kinder fallen keine Betreuungskosten an. Wer nicht den vollen Satz bezahlen möchte, muss sein Einkommen bei der entsprechenden Kommune vorlegen und den zu zahlenden Prozentsatz berechnen lassen. Je nach Kommune können geringe Zusatzkosten entstehen, so werden z.B. in der Kommune Botkyrka die Windeln in den Allgemeinen Kindergärten gestellt, in der Kommune Solna oder Täby sind die Eltern selbst für die Bezahlung und Beschaffung der Windeln zuständig!

Formen von Kinderbetreuung

Allgemeiner Kindergarten (allmän förskola): Durch die Kommunen verwaltete Einrichtungen von unterschiedlicher/m Größe und pädagogischem Inhalt. Meist sind die Allgemeinen Kindergärten innerhalb einer Kommune geografisch gut verteilt und die Chance auf eine Platzzuteilung ist groß. Die Anmeldungsformulare erhält man auf dem zuständigen Bürgerbüro (medborgarkontor) oder aber auch über deren Homepage bzw. auf der website der Kommunen. Bei der Anmeldung kann das gewünschte Anfangsdatum sowie eine Wunschliste von Kindergärten angeben werden. Für besonders begehrte Kindergärten muss man jedoch mit einer Warteliste (kölista) rechnen. Geschwister werden in der regel bevorzugt. Für alle, die ihren Umzug nach Schweden planen, ist es gut zu wissen, dass man sein Kind bereits auf eine Warteliste setzen lassen kann, bevor man umgezogen ist, sofern das Umzugsdatum feststeht und die neue Adresse bekannt ist. Die Warteliste verpflichtet zu nichts, einen angebotenen Platz kann man immer problemlos absagen. Auch Wechsel von einer Einrichtung in eine andere sind problemlos und finden häufig statt.

Welche Kindergärten es in Stockholm gibt und wie das mit der Anmeldung funktioniert steht hier (auf schwedisch).

Private Kindergärten (enskilda eller fristående förskolor):
wie z.B. Montessori- oder Waldorfkindergärten. Diese Kindergärten führen ihre eigenen
Wartelisten und eine Bewerbung oder Anmeldung für einen solchen Kindergarteplatz findet direkt über den betreffenden Kindergarten statt. Auch f
ür die privaten Kindergärten werden die Kosten nach der maxtaxa berechnet. In manchen Kommunen (wie z.B. in Solna) werden alle Wartelisten, also von privaten und staatlichen Kindergärten, über die Kommune verwaltet.

Elternkooperativen (föräldrakooperativ): oft kleinere Einrichtungen, die von den Eltern in Eigeninitiative geführt werden und somit ein großes Maß an Mitbestimmung bieten. In unterschiedlich starkem Umfang sind Verantwortung für Verwaltungsaufgaben, Personalfragen etc. auf die Eltern verteilt. Auch hier erfolgt die Bewerbung direkt über den jeweiligen Kindergarten.

Tagesmütter (familjedaghem/dagbarnvårdare):
Bei Tagesmüttern findet die Betreuung der Kinder im Privathaushalt statt. Man unterscheidet zwischen Tagesmüttern, die von der Kommune angestellt sind (Bewerbung über die Kommune), und Tagesmüttern, die ihre Betreuung auf privater Ebene anbieten. Eine Tagesmutter nimmt zwischen 1 und 6 Kindern gleichzeit auf. Viele der Tagesmütter arbeiten zusammen, indem sie sich bei Ausflügen treffen oder aber sich im Krankheitsfalle vertreten.

Zweifamiliensystem (tvåfamiljssystem):
Hierfür müssen sich zwei Familien bereit erklären sowie mit ihren Arbeitszeiten übereinkommen, sodass sie sich die Betreuung ihrer Kinder im Privathaushalt teilen. Das Zweifamiliensystem wird oft von Teilzeit angestellten Müttern genutzt. Der Vorteil ist, dass man, sofern man eine zweite Familie gefunden hat, die Wartezeiten der sonstigen Kindergärten umgehen kann. Jedoch nicht alle Kommunen erkennen das Modell an.


Einschulungszeitraum (inskolning)
Die meisten Kinderbetreuungseinrichtungen geben eine gewisse Einschulungszeit (eingewöhnungszeit) vor. Häufig beläuft sich diese auf ca. 14 Tage. In diesem Zeitraum sollen die einzuschulenden Kinder langsam an die neue Situation und das neue Umfeld gewöhnt werden. Hier sind die Eltern anfangs stark mit eingebunden und begleiten ihr Kind beim Kindergartenbesuch. Innerhalb der Einschulungszeit wird die Dauer des Aufenthaltes im Kindergarten erhöht und die Elternanwesenheit reduziert, sodass nach ca. 14 Tagen mit der vereinbarten Kindergartenbetreuung begonnen werden kann.

Zusätzliche Stockholminformation
Auch die Deutsche Schule Stockholm hat einen angegliederten Kindergarten. Informationen hierüber findet man auf der Webseite der Schule.

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 06. März 2011 um 08:56 Uhr
 


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